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verschiedene Schmuckteile aus Edelstahl und anderen Metallen

Schmuckteile aus Metall (1): Nickel & Edelstahl

Obwohl ich hauptsächlich Schmuck aus Holz herstelle, habe ich regelmäßig mit Anbauteilen aus Edelstahl und anderen Metallen/Legierungen zu tun. Deshalb ist es für mich wichtig, wenigstens einen groben Überblick über die verschiedenen Werkstoffe, deren Bestandteile und mögliche Wirkungen auf den menschlichen Körper zu haben. Auch Euch könnte/sollte das interessieren, ob Ihr nun selbst Schmuck herstellt oder „nur“ gern und oft welchen tragt. Deshalb schreibe ich eine kleine Artikel-Reihe über in der Schmuckherstellung häufig vorkommende Metalle – ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit, dafür aber mit vielen weiterführenden Links.

1. Problemstoff Nickel – ist die Gefahr endlich gebannt?

Steckbrief NickelDie gute Nachricht: Dank der EU dürfen in deren Mitgliedsstaaten für direkten Hautkontakt keine Metalle/Legierungen mehr vertrieben werden, die gesundheitsgefährdende Schwermetalle (zum Beispiel Cadmium) oder bedenkliche Konzentrationen an allergieauslösenden Bestandteilen (beispielsweise Nickel) enthalten beziehungsweise abgeben. Da sind klare Grenzwerte festgelegt, die über die Jahrzehnte auch immer strenger geworden sind. Und deren Einhaltung scheint so selbstverständlich, dass mit Begriffen wie „cadmiumfrei“ nicht mehr geworben werden darf. Im dümmsten Fall droht sonst eine nicht ganz billige Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs. Aber auch, wer seinen Schmuck als nickelfrei anpreist, sollte sich GANZ sicher sein, dass er es auch wirklich ist.

(Wer es genauer wissen will, kann sich über die einschlägigen Verordnungen zum Beispiel auf dieser Seite für Nickel-Allergiker informieren.)

Ein kleiner Haken ist, dass sehr viele Schmuckteile oder das Material hierfür aus China kommen. Dabei ist es völlig gleich, wo im Internet ihr kauft. Selbst wenn Ihr bei deutschen Händlern kauft (zum Beispiel auf dawanda), kommen die Teile ursprünglich meist aus China. Made in Germany ist einfach viel zu teuer. Und da wohl die allerwenigstens in der Lage sind, die angegebenen Bestandteile und Zusammensetzungen zu überprüfen, und auch nicht alles lückenlos von Behörden kontrolliert werden kann, ist und bleibt es ein Stück weit eine Vertrauensfrage. Wie sehen die Bewertungen des Anbieters aus, wie lange ist die Firma schon am Markt und so weiter.

Wenn Ihr „nickelsicher“ lest, bedeutet dies, dass zwar Nickel enthalten ist, aber innerhalb der Grenzwerte, weshalb sehr wahrscheinlich keine Hautreaktionen auftreten werden.

2. Ist Edelstahl nickelfrei?

Ja, Edelstahl an und für Schmuck ist in aller Regel hypoallergen, also unbedenklich für Allergiker. Viele glauben deshalb, es sei kein Nickel enthalten. Das ist aber falsch. Nickel bringt einfach zu viele positive Eigenschaften mit, macht Legierungen zum Beispiel widerstandsfähiger gegen Korrossion und extreme Temperaturen. Selbst im als besonders unbedenklich gepriesenen „Chirurgenstahl“ befinden sich zwischen zehn und vierzehn Prozent Nickel. Das ist aber kein Beinbruch, weil der Stahl davon so wenig abgibt, dass die oben erwähnten EU-Grenzwerte locker eingehalten werden.

3. Stahl ist nicht gleich Stahl – oder doch?

Es gibt verschiedene Stahlsorten, mit für Laien so kryptischen Bezeichnungen wie X12CrS13 (nach DIN) oder ähnlichen. Viele Anbieter (asiatische Händler!) orientieren sich an den amerikanischen Bezeichnungen. Das liest sich dann (AISI) 304, (AISI) 316L und so fort. Die Unterschiede liegen vor allem in den Bestandteilen bzw. deren prozentualen Anteilen, die Auswirkungen auf die Eigenschaften des Stahls haben. Eine solche Eigenschaften ist zum Beispiel die Korrosionsbeständigkeit. (Nein, nicht jeder Edelstahl ist grundsätzlich und gänzlich rostfrei.) Für Schmuck ist die aber vergleichsweise unbedeutend. Selbst wenn AISI 316L (gilt gemeinhin als Chirurgenstahl) wohl korrosionsbeständiger ist als der häufig verwendete 304er Stahl, werden Euch Ohrhänger aus Edelstahl 304 nicht binnen zweiter Wochen an den Ohren durchrosten. Auch in fünf Jahren nicht. Und welcher Stahl besser mit Säuren zurechkommt, braucht uns Schmuck-Fans wohl ebenfalls kaum zu interessieren. Falls doch, gibt es auf dieser Seite einen ganz guten ersten Überblick.

4. Auf Biegen und Brechen – Edelstahl bearbeiten

Bei der Bearbeitung von Schmuckteilen aus Edelstahl wird man feststellen, dass es einfacher zu handhabende Materialien gibt. Oh, es lässt sich schon bearbeiten. Man kann aus Edelstahl-Nietstiften Ohrhaken biegen, um ein Beispiel zu nennen. Man muss nur etwas mehr Kraft aufbringen als bei Kupfer, Bronze oder Silber. Und in Sachen Oberflächenbehandlung (ätzen, verfärben, strukturieren…) sind die eben genannten Werkstoffe ganz sicher im Vorteil. Aber das betrifft schon eher den eigentlichen Schmuck, und weniger die Anbauteile, um die es in diesem Artikel hauptsächlich geht.

5. Der Kostenfaktor

Preislich sind Edelstahl-Teile deutlich wertiger als Kupfer, Bronze, Messing. Im direkten Vergleich kosten beispielsweise Cabochon-Rohlinge aus Edelstahl Pi mal Daumen locker das doppelte. An Silber-Preise reicht Edelstahl hingegen bei weitem nicht heran und ist daher eine kostengünstige Alternative bei ähnlicher Farbe und ähnlicher Unbedenklichkeit in Hinblick auf Allergien.

6. Fazit

Edelstahl ist und bleibt ein interessantes Material für Schmuck der schon gehobenen Klasse, der auch mal zwei Euro mehr kosten darf als typischer Modeschmuck. Stahl ist stabil, dauerhaft, behält weitgehend seinen Glanz und seine Farbe, ist (meistens) verträglich für Allergiker. Die Optik bleibt freilich eine Frage des Geschmacks.

Ich hoffe, dass Ihr den Artikel informativ fandet, vielleicht etwas Neues erfahren habt und vielleicht sogar einige Irrtümer ausgeräumt werden konnten. Im Übrigen freue ich mich stets über konstruktive Kritik und Anregungen.

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